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Presseinformation
(upd) Auch knapp 13 Jahre nach seinem Sendestart ist das deutsche Frühstücksfernsehen eine noch immer weitgehend unbekannte Programmform geblieben. Da die Deutschen morgens selten fernsehen, werden die Morgenmagazine von den Zuschauern kaum beachtet; nicht mehr als 900.000 Menschen erreichen sie in den Frühstunden. Gleichwohl sind solche Magazine für die Fernsehsender – sei es nun für die öffentlich-rechtlichen Anbieter oder deren private Konkurrenz – offenbar ein Muss im Wettbewerb um Zuschauer-Marktanteile. „Vorreiter“ waren einst die Privaten, allen voran RTL; nachdem aber ProSieben sein Früh-Magazin eingestellt und RTL den Umfang seiner Sendung deutlich reduziert hat, haben momentan nur mehr ARD und ZDF sowie SAT.1 diesen mehrstündigen Programmtyp im Repertoire. In einer Studie, die am Studiengang Journalistik der Katholischen Universität Eichstätt (KUE) unter der Leitung von Dr. Ralf Hohlfeld durchgeführt wurde, sind jetzt erstmals Inhalte, Themen und Gestaltung ausgewählter und sich über den Morgen erstreckender Morgen-Sendungen untersucht worden. Ausgehend von der These, dass die Öffentlich-Rechtlichen ein vielfältigeres,
ausgewogeneres und informationsorientierteres Programm senden als die Privaten,
die wiederum einen größeren Aufwand in die Verpackung und Gestaltung
investieren, wurden sämtliche Sendungsbestandteile der Früh-Magazine
von ZDF und SAT.1 während einer kompletten Programmwoche analysiert.
Auf der Grundlage einer aufgezeichneten Programmwoche (2.404 Analyseeinheiten)
kommen Hohlfeld und sein Team zu dem Ergebnis, dass das Frühstücksfernsehen
ein „unterschätzter Informationsriese“ ist: Fast die Hälfte des
Frühprogramms (48 Prozent) besteht schließlich aus aktuellen
Informationen. Freilich bestehen hier zwischen der ZDF-Morgensendung und
ihrem Pendant auf SAT.1 deutliche Unterschiede: Denn während das ZDF
für sich genommen 68,1 Prozent aktuelle Informationen für sich
verbuchen kann, kommt SAT.1 hier auf gerade einmal 28,3 Prozent. Der Privatsender
sendet dagegen verstärkt Angebote aus dem Bereich Infotainment, Unterhaltung
und Spiele.
Nach der Untersuchung des „Sendungskerns“ haben sich die Eichstätter
Forscher in ihrer Inhaltsanalyse schließlich auch mit der „Schale“,
der Verpackung des deutschen Frühstücksfernsehens, beschäftigt.
Dabei sind sie zu dem Ergebnis gekommen, dass die kurze Verweildauer der
Zuschauer am Morgen die Programm-macher offensichtlich dazu veranlasst,
mittels optischer und akustischer Gestaltungselemente die Zuschauer unter
allen Umständen vom Umschaltknopf fernzuhalten: So zeigt die Inhaltsanalyse
zum Beispiel, dass gut ein Drittel der Beiträge (33,5 Prozent) zumindest
teilweise mit Musik unterlegt ist oder in 16,6 Prozent der Beiträge
Grafiken verwendet werden. Um das Programm dynamisch und flott zu präsentieren,
treibt insbesondere SAT.1 mit vielfältigen Ear- und Eyecatchern einen
großen Aufwand.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Inhaltsanalyse ist vor kurzem
in der Fach-Korrespondenz „Fernseh-Informationen“ erschienen: Hohlfeld,
Ralf: Das Nebenbei-Fernsehen. Inhalte, Themen und Gestaltung des Frühstücksfernsehens.
In: „Fernseh-Informationen“, 5 / 2000, S. 21 – 26.
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Stand: 26.06.2000
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