Die Strategien, die Presse und Rundfunk im Internet verfolgen, lassen bei der Umsetzung eine enge Verknüpfung zwischen Online-Angebot und Muttermedium vermuten und eine Abwendung vom bloßen Nachrichten-Recycling.
Aus welchen Quellen stammen die Artikel?
Auf Zulieferungen vom Muttermedium stützen sich - wenig überraschend - am stärksten die Internet-Ableger der beiden Textmedien Tageszeitung und Publikumszeitschrift. Sie beziehen etwas mehr als die Hälfte ihrer Artikel im Bereich der aktuellen Informationen von der Printredaktion. Im Internet bekommt man bei Tageszeitungen im Durchschnitt etwa ein Drittel aller Artikel einer Printausgabe, bei Publikumszeitschriften ist es ein Viertel. Die Eigenproduktionsquote, also der Anteil der von der Online-Redaktion exklusiv für das Internet geschriebenen Beiträge, ist bei Nur-Online-Anbietern am höchsten, bei Tageszeitungen mit Abstand am geringsten.
Inwieweit werden die übernommenen Texte bearbeitet und den Bedingungen des Internets angepasst?
Zwei Fünftel der Online-Redaktionen von Tageszeitungen überarbeiten die Artikel "immer" oder "häufig". Bei den Publikumszeitschriften wird in jedem zweiten Fall noch einmal Hand angelegt. Die Artikel werden auf Fehler überprüft, erhalten neue Überschriften, eine Zusammenfassung oder einen "Anreißer" vorangestellt oder werden gekürzt. Bei Publikumszeitschriften werden sie außerdem um zusätzliche Informationen erweitert. Eine (zeitaufwendige) stilistische Überarbeitung oder Aktualisierung fällt meistens weg.
Wie wird das technische Potenzial des Internets journalistisch ausgeschöpft?
Tabelle: Zusätzliche Elemente bei Artikeln im Bereich aktueller Informationen
Diese Frage lässt sich am ehesten beantworten, wenn man die Zusatzelemente betrachtet, über die aktuelle Artikel neben dem Text verfügen. Tageszeitungen nutzen die journalistischen Möglichkeiten des Internets noch am wenigsten. Sie schneiden im Medienvergleich bei den meisten Elementen am schlechtesten ab. Die Stärken des Muttermediums zeigen sich auch im Onlineangebot: Fernsehen und Hörfunk bieten häufig Audio- und Videobeiträge, während Publikumszeitschriften relativ oft Fotos und Grafiken einsetzen. Diskussionsforen und externe Links zum Thema sind ebenfalls eine Domäne der Zeitschriften.
Welche Querverbindungen bestehen zwischen alten Medien und Internet?
Die Umsetzung der Kooperationsstrategien "Doppelnutzer" und "Probenutzer" lässt sich an den Querverbindungen zwischen Muttermedien und Online-Angeboten ablesen. Über ausgewählte Leseproben aus der Printausgabe oder gar die komplette Ausgabe verfügen praktisch alle Tageszeitungen und Publikumszeitschriften im Internet. Auch eine (Probe-)Abo-Bestellmöglichkeit gehört fast immer dazu. Im Gegensatz zu den Publikumszeitschriften verzichten aber die meisten Tageszeitungen darauf, den Probelesern mit Hilfe eines Inhaltsverzeichnisses zu verdeutlichen, was ihnen entgeht, wenn sie nicht die gedruckte Zeitung kaufen.

Die Printleser werden über Verweise in Artikeln auf vertiefende Informationen sowie durch Ankündigungen und Berichte über Online-Events (Prominentenchats, Abstimmungen etc.) ins Netz gelockt. Einen Service für Anzeigenkunden haben vor allem die Tageszeitungen im Internet.
Online-Angebote von TV und Hörfunk verfügen in vier Fünftel der Fälle über themenbezogene Zusatzinformationen zu Sendungen, was ihre Strategie der Programmergänzung stützt. Gleiches bewirken Verweise in Sendungen auf Vertiefungen im Internet, die nahezu 90% der Anbieter geben.