Joshua Quittner verkündete 1995 in "HotWired", einem der Leitmedien der Internetkultur, die Geburt eines neuen Journalismus im Internet, der durch Video, Audio und Hypertext das Erzählen perfektionieren und durch Interaktivität eine größere Publikumsnähe erreichen werde. Hat sich diese Erwartung erfüllt? Wo steht der Online-Journalismus in Deutschland nach einem halben Jahrzehnt?
Von April bis Juni 2000 haben wir Online-Redaktionen von Presse, Rundfunk und reinen Online-Anbietern befragt. Auf dieser Website stellen wir ausgewählte Ergebnisse vor. Inzwischen ist eine Reihe von Aufsätzen erschienen, in denen die Ergebnisse noch ausführlicher dargestellt werden. Einige dieser Texte sind auch im Internet abrufbar
(Publikationen). Auf großes Interesse ist das Projekt auch in der Tages- und Wochenpresse gestoßen. Hinweise auf Ergebnisse erschienen u.a. in der "Zeit", in der
"Welt" und im
"Focus".
Die Studie "Journalismus & Internet" war das Habilitationsprojekt von Christoph Neuberger (damals am Lehrstuhl für Journalistik II der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, inzwischen am Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
). Finanziert wurde es durch eine Sachmittelförderung der
Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG).
Gegenüber dem Eichstätter Vorgängerprojekt "Online - Die Zukunft der Zeitung?" (1997/98) wurde der Gegenstandsbereich erweitert auf sämtliche traditionellen Massenmedien (Presse und Rundfunk) sowie Nur-Online-Anbieter. Damit ist erstmals ein Medienvergleich möglich.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Der Abnabelungsprozess von den Muttermedien Zeitung, Zeitschrift, Radio und TV dauert an. Überwiegend verfolgen Online-Redaktionen traditioneller Massenmedien crossmediale Kooperationsstrategien, die auf "Doppelnutzer" von Online-Angebot und Muttermedium oder "Probenutzer" abzielen, die für das Muttermedium als Leser, Zuschauer oder Hörer gewonnen werden sollen. Dies schlägt sich in zahlreichen Querverbindungen zwischen alten Medien und neuem Medium Internet nieder. Etwa die Hälfte der aktuellen Beiträge stammen bei Presse und Rundfunk noch vom Muttermedium.
Dennoch gewinnt der Online-Journalismus Konturen. Vor allem die Online-Redaktionen von Nur-Online-Anbietern, Rundfunk und "General interest"-Publikumszeitschriften nutzen die Chancen, die das Internet dem Journalismus bietet. Tageszeitungen sind quantitativ schon sehr stark mit aktuellen Informationsangeboten im Internet vertreten. Auch viele kleinere Zeitungen haben den Sprung ins Netz gewagt, auch wenn sie bisher vor allem eine "Fuß in die Tür"-Politik verfolgen.
Das Berufsbild des Online-Journalisten ist durch viele nicht-journalistische Tätigkeiten geprägt. Im Internet bilden sich Konkretisierungen journalistischer Berufsnormen heraus, die auf die besonderen Bedingungen des Mediums zugeschnitten sind und - zumindest nach der Beobachtung der befragten Redaktionsleiter - auf recht breite Anerkennung stoßen.
Impressum:
Redaktion: Christoph Neuberger
Webdesign: Jan Pawlofsky
Zitierweise: Neuberger, Christoph: Das Projekt: Journalismus & Internet. Website: http://www.ku-eichstaett.de/SLF/JOUR/projekt
Last updated: 24.02.2003