A) Informationen zu Qumran
C) Die Datenbank: Suchbegriffe und Plan
A) Informationen zu Qumran
Qumran - ein Dauerthema:
‘Qumran’ hat seit vielen Jahren Konjunktur. Kaum ein theologisches Thema findet so konsequent und problemlos den Weg in die Medien. Das liegt auch daran, dass mit dem Thema Qumran des öfteren und oft sehr erfolgreich der Versuch gemacht wird, es als Beispiel für Geheimbündelei, vatikanische Vertuschungstaktik und/oder mutigem Journalismus zu verkaufen.Auch innerhalb der theologischen Wissenschaft ist Qumran weit entfernt von einer einheitlichen Bewertung: Unterschiedlichste Meinungen und Ansichten finden sich in den theologischen Fachzeitschriften und Veröffentlichungen und stehen unvermittelt nebeneinander, schließen sich gegenseitig aus und beharren zugleich auf die allein gültige Interpretation. Sehr vieles wird dabei behauptet, noch mehr kritisiert und dabei doch häufig sehr wenig gewusst.Ideale Voraussetzungen also für einen Philosophen, der sich mit den Grundfragen von Fachwissenschaften befasst und der zudem der Ansicht ist, dass die Philosophie in und für ganz 'normale' Fachwissenschaften und auch für das ganz `normale´ Leben nützlich ist. Vor allem die Grundlagenfragen der Fachwissenschaften bzw. die darauf gegebenen Antworten haben es in sich. Sie prägen im wesentlichen die zu erwartenden Ergebnisse. Eine dieser Fragen innerhalb der Qumranthematik lautet: Ist es methodisch möglich, anhand der bei Qumran gefundenen Texte Aussagen über die damaligen Bewohner von Qumran zu machen? Diese und andere Fragen sind weder revolutionär noch neu. Meine Erfahrung ist jedoch die, dass sie einen sehr geringen Stellenwert innerhalb der archäologischen Qumrandiskussion einnehmen.
Qumran - als Lexikonartikel:
Wollte man sich mit einem Lexikonartikel zu Qumran beschränken, dann könnte dieser folgendermaßen lauten:In elf Höhlen wurden in Qumran und nächster Umgebung -an der nordwestlichen Ecke des Toten Meeres- zwischen 1947 und Mitte der 60er Jahre eine große Anzahl Schriftrollen und Fragmente (Leder, Papyrus und eine Rolle aus Kupfer) entdeckt. Einige dieser Rollen waren in Tonkrügen gelagert. Neben den biblischen Handschriften (ein vollständige Handschrift des Buches Jesaja, Teile des Buches Daniel, Reste mehrerer Psalmenhandschriften) sind besonders die Schriften herauszustellen, die so gelesen werden können, als ob sie eine Gemeinschaft bzw. einen gemeindeinternen Charakter voraussetzen. Bei diesen Schriften handelt sich um den sog. Sektenkanon, um das Regelbuch, die Kriegsrolle, die Loblieder etc.
Die Schriftfunde von Qumran sind für das Juden- und Christentum von großer wissenschaftlicher Bedeutung, Vor allem für die Erforschung der Hebräischen Bibel sind die Schriftrollenfunde ein einzigartiger Glücksfall. Vor den Schriftrollenfunden war nämlich der früheste bekannte hebräische Bibeltext vom 9. Jahrhundert nach Christus. Mit der Qumran-Entdeckung gibt es nun eine große Gruppe von Manuskripten, die alle mindestens vor dem Jahre 68 n. Chr. und manche noch 100 bis 200 Jahre früher zu datieren sind, also ca. 1000 Jahre älter sind als bisher bekannten jüdischen Schriften.Durch die Entdeckung der Schriftrollen kam die Ruine (arabisch: Chirbet) Qumran in das Blickfeld archäologischer Fragen. Das Ruinenfeld mit den Ausmaßen von ca. 80-100 x 80 m liegt auf einem Mergelplateau nahe dem Nordwestufer des Toten Meers. Schon im 19. Jh. wurde der Ort von Forschern wegen seines exponierten Friedhofes erwähnt. Die gegenwärtig etwa 700 Gräber des Friedhofes sind zu einem Großteil durch ihre konsequente Nord-Süd Ausrichtung geprägt, wobei die Skelette überwiegend Süd-Nord ausgerichtet sind (Schädel im Süden, Extremitäten im Norden).
Die Ruine wurde zwischen 1951-1956 unter der Leitung von Pater Roland de Vaux OP (École Biblique et Archéologique Française de Jérusalem) in mehreren Ausgrabungsperioden vollständig freigelegt. Dabei können nach de Vaux folgende Besiedlungsperioden unterschieden werden: Die so genannte Israelitische Besiedlungsperiode im 8./7. Jh. v. Chr. (Eisenzeit II), Periode Ia (143-134 v. Chr.), Periode Ib (134-31 v. Chr.), Periode II (4/1 v. Chr.- 68 n. Chr.), Periode III (68-73 n. Chr.).Gegenwärtig sind in der seriösen Forschung folgende Alternativinterpretationen in der Diskussion: Qumran war eine Wintervilla, ein Handelsplatz mit Steuerstelle, ein Militärstützpunkt, eine Feinledergerberei, der Tempelersatz der Essener, eine Dattelplantage. Die ursprüngliche archäologische Deutung von Roland de Vaux besitzt jedoch immer noch die höchste Plausibilität. Qumran wurde demnoch von einer religiösen Gemeinschaft organisiert. Qumran selbst war kein Wohn- sondern Arbeits- und Versammlungsort dieser Gemeinschaft.
Diese Gemeinschaft war jedoch, wenn die nun zur Verfügung stehenden archäologischen und anthropologischen Daten ernst genommen werden, keine zölibatär lebenden Gruppe, sondern Qumran diente ihr als Erwerbs- und Versammlungsort. Dieser jüdische Sozialverband (Männer, Frauen, Kinder) betrieb Qumran unter wirtschaftlicher Perspektive im Sinne einer Oasenwirtschaft. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass dieser Sozialverband geschlechterseparierende Tendenzen ausbildete.Ob sich diese religiöse Gemeinschaft mit den Essenern identifizieren läßt, ist archäologisch weder beweisbar noch widerlegbar.
Qumran - Literatur ohne Ende:
Den Überblick bewahren zu wollen, was zu Qumran alles geschrieben wurde, grenzt an Vermessenheit. Das gute daran ist, dass sich nahezu die gesamte Literatur mit der Texten von Qumran und deren Interpretation beschäftigt.Ein gute Internetadresse für deutschsprachige Leser sind die Seiten von Herrn Thomas Usleber. Hier sind über 100 Bücher aufgelistet, die Qumran zum Thema haben. Die Seiten bieten die notwendigen bibliographischen Angaben, teilweise die Klappentexte der Bücher, sowie Beurteilungen, die durch den Betreiber der Homepage vorgenommen werden.Der vergleichsweise geringe Rest hat archäologische Themen zum Gegenstand. In der archäologischen Qumranforschung ist die Lage deshalb überschaubarer. So ist es hier sehr viel einfacher, verantwortete Empfehlungen auszusprechen. Für die archäologischen Fragen ist durch nichts zu ersetzen der 1994 erschienene Band von J.-B. Humbert und A. Chambon in der Reihe NTOA SA 1. Er bietet 538 Photos aus der Grabungszeit. Sehr aufschlussreich sind auch die Grabungsnotizen, in denen die Aufzeichnungen des Ausgräbers angeführt werden. Diese Aufzeichnungen sind in französischer Sprache.Eine deutsche Übersetzung der Grabungsnotizen mit ausführlichen Tabellen und Fundverteilungen (aber ohne Photos) bietet der Band "Die Ausgrabungen von Qumran und En Feschcha" in der Reihe NTOA SA 1A.Wer eine wissenschaftstheoretische Annäherung an die Ruine von Qumran, eine detaillierte Beschreibung der Anlage und einen bewertenden Überblick zu den rivalisierenden Deutungen wünscht, dem sei meine Arbeit Wissenschaftstheorie und Qumran (NTOA 32) nahegelegt. Die Arbeit wurde 1996 veröffentlicht.
Zu Beurteilungen vorgelegter archäologischer Interpretationen nach 1996 bietet sich ein seltener Blick auf die wöchentlich aktualisierte Literaturliste des Orion Institutes der Hebrew University in Jerusalem an. Diese Literaturliste berücksichtigt die gesamte Qumranthematik. Sie ist seit kurzer Zeit auch nach Sprachen sortiert. So lassen sich hier ohne großen Aufwand die bibliographischen Angaben zu den neuesten deutschsprachigen Publikationen (vor allem Artikel) zu Qumran abrufen.
1998 wurden nach langer Zeit erstmals wieder neue Daten in die Diskussion um Qumran eingebracht. Durch die erneute wissenschaftliche Untersuchung einiger in München gelagerter humaner Überreste aus den Gräberfeldern von Qumran, ist es nun möglich, die bisher vorgelegten Interpretationen auf verbesserter Datenbasis zu überprüfen. Die Qumran-Forschung verdankt dies im wesentlichen dem Münchener Anthropologen DDr. Olav Röhrer-Ertl. Die im Jahr 2000 erschienene Publikation "Jericho und Qumran"Bernhard Mayer (Hg.), Jericho und Qumran. Neues zum Umfeld der Bibel
(Eichstätter Studien, Bd. 45), Regensburg: Pustet 2000.enthält u.a. auch die drei Beiträge, die aus der Untersuchung der humanen Überreste und den daran anschließenden Fragen hervorgegangen sind. Seit kurzem stehen auf der hompepage von Herrn Röhrer-Ertl ausgezeichnete Farbabbildungen einiger Schädel besagter Qumran-Individuen (sowie einiger Indivduen aus Jericho) für einen download zur Verfügung.Eine leicht verständliche Zusammenfassung dieser Ergebnisse erschien in der Zeitschrift der Katholischen Universität Eichstätt AGORA (PDF-Datei des Originalbeitrages, ca. 2 MB!). Über die neuen Forschungsergebnisse hinaus bietet der Band "Jericho und Qumran" einen aktuellen Überblick zur archäologischen Literatur Qumrans. Hier sind vor vor allem die Literaturlisten und Beiträge von Gabriele Faßbeck, Olav Röhrer-Ertl, Ferdinand Rohrhirsch und Jürgen Zangenberg zu nennen.
B) Bilder:
Zu einer ersten visuellen Orientierung innerhalb der Ruine von Qumran können Sie auf einen Plan zugreifen, den Sie über Loci-Abbildungen erreichen (auf der Datenbankseite unter Visualisierungen). Es erscheint ein schematisierter Plan, der die loci der Ruine enthält. Die blau eingezeichneten Felder stellen das Wassersystem dar. Die gelben Felder markieren den Turm. Wenn Sie mit der Maus über den Plan "wandern", können Sie feststellen, dass sich das Maussymbol gelegentlich verändert. Hiert sind Photos des jeweiligen locus hinterlegt, die Sie mit einem Mausklick sichtbar machen können. Noch sind nicht alle loci mit Photos hinterlegt.
Bsp: Klicken sie auf den rechten (östlichen) Teil von locus 77 (unten - in der Mitte). Sie sehen (hoffentlich schnell) eine Abbildung aus dem Jahr 1958. Wenn Sie auf den linken (westlichen) Teil des locus 77 drücken, erscheint ein Bild aus dem Jahr 1962 aus einer geringfügig anderen Perspektive.Die 3D-Visualisierungen sind im Grunde eitel Tand und "Gleisnerei". Aber sie können doch eine, wenn auch nur sehr rudimentäre, räumliche Vorstellung bestimmter Anlagenteile liefern. Nach und nach werde ich versuchen, diese informativer zu gestalten (vgl. dazu locus 56-58) oder Rekonstruktionen von bestimmten Anlagenteilen anbieten.
Für die 3D-Beispiele benötigen Sie sog. Plug-ins. Das sind meist kostenlose Programme, die Ihren Browser in den Stand setzen mit den 3D-Beispielen umzugehen. Weitere Informationen und Adressen finden Sie unter 3D-Szenarien.Etwas sinnvoller ist die Präsentation der 3-D Keramikformen. Diese vermögen auch das Typische einer bestimmten Keramikform wiederzugeben. Sie dienen jedoch vorrangig zur Verdeutlichung der Terminologie.Mittlerweile steht auch eine 3-D Simulation zur Verfügung, die eine Wanderung durch loc.4 und die daran anschließende unmittelbare Umgebung ermöglicht. Die Simulation ist in keiner Weise ein fertiges Produkt. Sie soll lediglich zeigen, was möglich wäre, wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde. Unter den gegenwärtigen Zeit-Bedingungen ist jedoch kein weiterer Ausbau möglich. Hinweise zum Download, zur Installation und zur Bedienung erhalten Sie auf der Seite: Qumran-Simulation.
C) Die Datenbank:
Die Datenbank ist der zentrale Teil des Projektes Chirbet Qumran im Netz. Die Datenbank enthält Informationen über die Funde, die in Chirbet Qumran und En Feschcha gemacht wurden. Dabei handelt es sich vor allem um Münzen und Keramik. Die Datenbank entstand aus der Idee, die jeweiligen Fundverhältnisse schnell und an unterschiedlichen Orten 'zur Hand' zu haben. Für die Bedienung, die Möglichkeiten und die Struktur der Datenbank steht Ihnen eine eigene Publikation mit dem Titel Konzept zur Verfügung. Diese liegt im PDF Format vor.Für eine erste Annäherung an die Datenbank sind die quantitativen Abfragen zu empfehlen. Aus einer vorgegebenen Liste von Münzen und Keramikobjekten können die entsprechenden Fundverhältnisse pro locus abgerufen werden. Der entsprechende link führt Sie zu der Abfrageseite für die Münzen und zu der Abfrageseite für die Keramikobjekte.Für alle aber, die die Datenbank mit eigenen Vorgaben gleich jetzt testen wollen, sind unten einige Suchbegriffe aufgeführt, die in den jeweiligen Felder der Datenbank eingeben werden können. Bitte nutzen Sie für Ihre Suche auch den Loci-Plan am Ende dieser Seiten.
Suchbegriffe: Münzen (Auswahl)
Die Jahreszahlen dienen nur zu Ihrer Information - bitte nicht mit anführen.
Es genügt, wenn Sie antiochus vii oder Antiochus VII in das Suchfeld eintragen.
| Antiochus
VII. 138 - 129 v. Chr.
Johannes Hyrkan I 134 - 104 v. Chr. Judas Aristobulos 104 - 103 v. Chr. Alexander Jannäus 103 - 76 v. Chr. Johannes Hyrkan II. 67 - 40 v. Chr. Antigonus Mattathias 40 - 37 v. Chr. Herodes der Große 37 - 4 Chr. Prokuratoren unter Augustus 27 v - 14 n. Chr. Aretas IV. 9 v - 40 n. Chr. Herodes Archelaus 4 v. - 6 n. Chr. Prokuratoren unter Tiberius 14 - 37 n. Chr. Herodes Agrippa I. 37 - 44 n. Chr. Prokuratoren unter Claudius 41 - 54 n. Chr. Herodes Agrippa II. 50 - 92 n. Chr. Prokuratoren unter Nero 54 - 68 n. Chr. Erster Aufstand 67 - 69 n. Chr. Vespasian 69 -79 n. Chr. Judaea Capta 71-79 n. Chr. Domitian
81 - 96 n. Chr.
|
Trajan
98 - 117 n. Chr.
Zweiter Aufstand 132 - 135 n. Chr. Aelia Capitolina Elagabulus Theodosius 379 - 395 Seleukidisch Hasmonäisch Nabatäisch Römisch Byzantinisch Arabisch Türkisch Ascalon Cäsarea Dor Tyrus Nicht lesbar Zersetzt Silber |
Suchbegriffe: Objekte (Auswahl)
Vor jedem Suchbegriff kann ein %-Zeichen angeführt werden.
| Becher
%Blei %Bronze Deckel %Eisen Feldflasche %Flasche Gefäß %Glas Halter Halter%Phitos Halter%Krug Kessel %Knochen Krug Krüglein Kugel aber
nicht: %kugel
|
Lampe
Lampe%hellen Lampe%herod Nadel %Nagel Nagel%bronze Nagel%eisen Napf Pithos Ring Schale Schnalle Schüssel Stiel Teller Topf Tüllenkanne Vase
|
Loci-Plan zu Chirbet Qumran
Der Plan soll Ihnen eine erste Orientierung geben. Er ist nicht in allen Punkten maßstabsgetreu. So sind z.B. die Prüfgräben aus Raumgründen nahe an die Ruine plaziert. Zu weiteren Erklärungen vgl. Sie bitte die PDF-Seiten Konzept. Hier wird ausführlich auf die Loci-Bezeichnungen und auf weitere Besonderheiten eingegangen. Maßgeblich sind allein die Pläne in den publizierten Grabungsbänden.

Hier geht es zur Datenbank: