|
Ein integriertes Studium ein Studium wie jedes andere?
An dem integrierten Bachelor- und Masterstudiengang sind die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), das Institut d´Etudes Politiques de Rennes (IEP) und die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) beteiligt. Innerhalb von fünf Jahren studieren die Teilnehmer zwei Jahre in Rennes und zwei Jahre in Eichstätt. Das erste Studienjahr verbringen sie an der Heimathochschule. Der Studiengang ist auf der Basis eines langjährigen Austauschprogramms zwischen Eichstätt und Rennes entstanden und profitiert von dieser vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Im deutsch-französischen Studiengang werden die Kernbestandteile des Studiums in Rennes und Eichstätt kombiniert und die Stärken der jeweiligen Systeme in den Vordergrund gestellt. So lässt zum Beispiel das Studium in Eichstätt den Studierenden mehr Freiheit, ihren Interessen nachzugehen. Das Studium in Rennes hingegen zeichnet sich durch eine stärkere Methodenorientierung und Berufsbezogenheit aus. Die Studieninhalte sind sowohl in Rennes als auch in Eichstätt in Form eines integrierten Curriculums aufeinander abgestimmt, so dass auch die Anerkennung der Studienleistungen im Ausland gewährleistet ist. Die Qualität des Studiengangs wird regelmäßig von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) evaluiert, die den Studiengang und die Studierenden auch finanziell fördert.
Der Studiengang beginnt jeweils zum Wintersemester eines Jahres. Die Bewerber werden an der KU vor Studienbeginn und im IEP im Laufe des ersten Studienjahres ausgewählt. Gute Sprachkenntnisse und Leistungsnachweise in den studienrelevanten Fächern sind für die Zulassung erforderlich. Darüber hinaus sind die Motivation und die mit dem Studiengang verbundenen beruflichen Ziele ausschlaggebend. Die Ausbildung ist interdisziplinär und umfasst Fachgebiete wie Politik, Recht, Wirtschaft, Geschichte, Soziologie, Philosophie und Sprachen. Ziel des Studiums ist es, die Absolventen für international tätige Unternehmen und Organisationen zu qualifizieren. Die interkulturelle Kompetenz und das breit gefächerte Studium greifen hier ineinander. Nach drei Jahren können die Studierenden an der KU mit einem Bachelor in Politikwissenschaft abschließen und nach dem fünften Jahr erhalten sie sowohl den Master in Politikwissenschaft der KU als auch das Diplom des IEP mit Mastergrad. Das Doppeldiplom wird unter der Schirmherrschaft der DFH verliehen und beinhaltet ein Zertifikat der DFH.
Die Berufsaussichten
Die Süddeutsche Zeitung schrieb im März 2007 über den deutsch-französischen integrierten Studiengang Politikwissenschaft: „Die Absolventen sind gut präpariert für eine internationale Laufbahn“. Auch eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln macht deutlich, dass Personalverantwortliche die Fremdsprachenkenntnisse und interkulturellen Kompetenzen von Studierenden aus integrierten Studiengängen zu schätzen wissen. Ein integriertes Studium bietet somit neben dem Fachwissen einen interkulturellen Mehrwert für die Studierenden, der sich auch im Beruf bezahlt machen kann.
Auch in der Selbstwahrnehmung geben die Absolventen der integrierten Studiengänge in einer Befragung der Deutsch-Französischen Hochschule 2005/2006 an, dass die Sprachkompetenz, die interkulturelle Kompetenz sowie die Flexibilität und Mobilität, die durch das integrierte Studium gefördert wurden, zu ihren zusätzlichen Qualifikationen zählen. Die Mehrzahl der Befragten (43 Prozent) meint, dass das Doppeldiplom ihnen die Arbeitssuche erleichtert hat. Demgegenüber stehen 20,78 Prozent, die mit nein geantwortet haben und 36 Prozent bleiben unentschlossen.
Der Erfolg auf dem Arbeitsmarkt hängt natürlich auch vom Studienfach und der Zielstrebigkeit der Studierenden ab. Bei einem Studium der Politikwissenschaft wird als Berufsziel häufig Staatspräsident, Kanzler oder Außenminister vermutet. Diese Vermutung gilt in Deutschland nur mit Einschränkungen, in Frankreich besitzt sie durchaus ein Fünkchen Wahrheit. So hat ein Großteil der französischen Politiker das Institut d’Etudes Politiques in Paris besucht. Hierzu zählen beispielsweise Jacques Chirac, François Mitterrand oder Lionel Jospin. Dies ist auch ein Indiz dafür, warum das Studium der Politikwissenschaft an einem IEP in Frankreich einen höheren Stellenwert genießt als ein Studium der Politikwissenschaft in Deutschland. Darüber hinaus machen in Deutschland Juristen den Politikwissenschaftlern den Weg in den höheren Staatsdienst streitig, wohingegen die französischen Politikwissenschaftler der IEP eine herausragende Stellung genießen.
Für Politikwissenschaftler in Frankreich und in Deutschland gilt gleichermaßen, dass sie sich im Laufe ihres Studiums über ihre Studienschwerpunkte und Praktika für den Beruf qualifizieren. Im Prinzip bietet ein Studium der Politikwissenschaft ein breites Spektrum an möglichen Betätigungsfeldern. Auf deutscher Seite zählen hierzu klassischer Weise Medien, politische Bildungsarbeit, Parteien und Parlamente sowie Marketing oder PR. Auch im Bereich der Internationalen Organisationen bestehen interessante Berufsperspektiven für Politikwissenschaftler zumal für international qualifizierte Absolventen.
In Rennes hat die Wahl des Studienschwerpunktes Einfluss auf die Integration in den Arbeitsmarkt. Laut einer Umfrage der Absolventen des Jahres 2003 des IEP sind zwei Jahre später 78 Prozent der Studierenden aus dem Studienschwerpunkt Wirtschaft, 64 Prozent aus dem Schwerpunkt Öffentliches Recht und 57 Prozent aus dem Schwerpunkt Soziologie berufstätig. Der größte Teil der Absolventen arbeitet im öffentlichen Dienst. Laut der Absolventenbefragung sind 57 Prozent im öffentlichen Sektor, 30 Prozent im privaten Sektor und 12,5 Prozent bei Verbänden beschäftigt. Von den berufstätigen Absolventen haben 86 Prozent eine gehobene Stellung. Etwa 20 Prozent der Studierenden setzten zwei Jahre nach dem Diplom des IEP ihr Studium beispielsweise in Form einer Doktorarbeit fort.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Laufe des Studiums der Politikwissenschaft eher generalistische Fähigkeiten ausgebildet werden. Die Spezialisierung muss durch den Studierenden selbst erfolgen. Erst diese Kombination kann zum Erfolg führen.
Studentische Impressionen...
Ferdinand Eibl studiert seit dem WS 2008 an der "University of Oxford" und schildert seine Studienzeit im deutsch-französischen Studiengang an der KU: "Ich persönlich habe die Studienzeit in Eichstätt sehr genossen und durchweg in guter Erinnerung. Kurze Wege machen es leicht, enge Kontakte zu pflegen, sei es zu Kommilitonen oder zu Professoren. Das Lehrpersonal kennt einen nach kürzester Zeit mit Namen, und auch außerhalb der Sprechstundenzeiten sind die Lehrenden in Eichstätt immer sehr gut zu erreichen. Hinzu kommt, dass die Betreuung des Studiengangs in Person von Frau Kreimer und Prof. Schubert in besten Händen ist: Auch wenn nicht immer bei allen Schwierigkeiten, die in einem binationalen Studiengang zwangsläufig entstehen (Notenumrechnung, Koordination zwischen den beiden Hochschulen, Informationspolitik, etc.), eine Einigung im Sinne Aller erzielt werden kann jedes Anliegen fand in meiner Studienzeit in Eichstätt ein Gehör, die Studenten werden hier Ernst genommen. Ein großes Plus.
Rennes ist Eichstätt einerseits sehr ähnlich, da das IEP selbst ein kleines Institut ist, alleine ist man dort bestimmt auch nicht. Der Umgang mit dem Lehrpersonal ist daher auch nicht unpersönlich, obschon der französische Lehrhabitus ein ganz anderer ist. Bedingt durch die vielen (fast durchweg sehr guten) Vorlesungen entsteht automatisch mehr Distanz. Doch genau diese unterschiedlichen Erfahrungen machen der Studiengang sehr interessant. Als Stadt ist Rennes eine willkommene Abwechslung zu Eichstätt. Mit einer bunten Konzert- und Kulturszene und einem charmanten Altstadtkern kann man sich schnell wohl fühlen wenn einem das bretonische Wetter wohl gesonnen ist.
Inhaltlich ist das Studium sehr breit angelegt, so dass man spätestens nach dem Bachelor über eine gute sozialwissenschaftliche Grundausbildung verfügt, die aber durch die unterschiedlichen „filières“ in Frankreich, sowie die Masterwahl im 5. Jahr genug Platz für individuelle Schwerpunkte lässt. Wie schon gesagt, ist der Lehrstil sehr unterschiedlich: Das deutsche System setzt darauf, dass sich die Studenten durch Lektüre den Stand der Forschung zusehends selbst erarbeiten, der Stil ist dadurch diskursiver. Französische Vorlesungen versuchen einem eine Art „acquis scientifique“ zu vermitteln, gehen dabei weniger auf aktuelle Debatten ein als auf „gesichertes“ Wissen nicht immer ganz leicht in den Sozialwissenschaften. Zudem kann man mit der „méthode science po“ doch von einer kleinen Denkschule sprechen, die einem vermittelt wird. Richtig umgesetzt zielt sie darauf ab, ein Thema zur Thematik zu machen, es also zu problematisieren, um so die „Knackpunkte“ eines Sachverhalts besser erkennen zu können. Sie stellt weniger die Synthese als mehr die Antithese in den Vordergrund und hat für das eigene wissenschaftliche Arbeiten einen enormen heuristischen Wert. Es schärft im besten Sinne des Wortes das Denken, und ich bin froh, diese Ausbildung bekommen zu haben. Zusammen mit den Freiheiten und der Offenheit deutscher Wissenschaftskultur entfaltet das Programm seinen einmaligen Charakter. Durch die Wahlmöglichkeit zwischen „master professionnel“ und „master de recherche“ bleibt der Fokus auf Berufs- und Arbeitsleben nicht auf der Strecke, da die meisten Politikwissenschaftler später in verschiedensten Feldern arbeiten. Genau hierfür ist die gedankliche Flexibilität, welche durch ein Studium in zwei Ländern vermittelt wird, von großer Hilfe.
Nicht zu vergessen: Freundschaften werden in einem so kleinen Kreise schnell geschlossen, und ich bin mir sicher, dass ich mit vielen Kommilitonen aus dem Studiengang auch nach der Studienzeit in Kontakt bleiben werde. Mit dem neu gegründeten Alumniverein ist zudem ein wichtiger Schritt in Richtung Vernetzung der Studierenden getan. Kurzum: Allez-y!"
|
|
|